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Schweizer Geheimdienst soll
straffer organisiert werden
Stephan Fuchs - Mehrere Nationalräte
zeichneten von der Arbeit der Schweizer Geheimdienstler in der
gestrigen Debatte ein düsteres Bild. «Die einzelnen
Dienste wissen nicht immer, was die anderen tun, befassen sich
oft mit denselben Dingen, wenn sie sich nicht konkurrenzieren
oder sogar behindern», sagte Claude Janiak (sp, BL). Zudem
fehle eine zentrale Führung. Einziges Aufsichtsorgan auf
Stufe Verwaltung sei der bundesrätliche Sicherheitsausschuss,
der aber nur eine beratende Funktion habe. Dies führe dazu,
dass die Zusammenarbeit der einzelnen Dienste locker und ungenügend
sei, sagte Janiak weiter. Weil eine klare Auftragslage fehle,
würden sich die einzelnen Nachrichtendienste oft selber Aufträge
zuschanzen, kritisierten im Namen der Sicherheitspolitischen Kommission
(SIK) auch Barbara Haering (sp, ZH) und René Vaudroz (fdp,
VD). Auch sie bemängelten die zu large Aufsicht des Bundesrates
und der Departemente.
Parlamentarische Aufsicht soll verstärkt werden
Zur Behebung der vom Parlament diagnostizierten Mängel schlug
die SIK in einer Motion drei konkrete Massnahmen vor. Der Bundesrat
soll die Aufsicht und Kontrolle der Nachrichtendienste verstärken.
Mit einer Aufstockung der Ressourcen soll zudem die parlamentarische
Aufsicht durch die Geschäftsprüfungsdelegation verstärkt
werden. Auf eine Nachrichtendienstkommission soll stattdessen
verzichtet werden. Als dritte Grundlage schlug die SIK vor, die
Arbeit der Nachrichtendienste in einem Rahmengesetz anstatt wie
heute in Weisungen zu regeln.
Die Arbeit der Nachrichtendienste wecke offenbar enorme Phantasien,
konterte Verteidigungsminister Samuel Schmid die verschiedenen
Vorwürfe. Was bei der Debatte alles behauptet worden sei,
stimme nur zum Teil. Seit einigen Jahren würden die Nachrichtendienste
sehr straff geführt. Mit seiner Argumentation drang Schmid
nicht durch. Selbst von einer Umwandlung in ein Postulat wollte
der Nationalrat nicht wissen. Die SIK-Motion wurde mit 96 zu 49
Stimmen angenommen und dem Ständerat zugeleitet.
Zähne zeigen?
Es brauche nun endlich einen Koordinationsauftrag mit Zähnen,
sagte Josef Leu (cvp., Luzern). Und Edi Engelberger (fdp., Nidwalden)
wollte von weiteren Vertröstungen schlicht gar nichts mehr
wissen. Die Motion, die nun auch noch vom Ständerat beraten
werden muss und dort womöglich auf Antrag des Bundesrats
noch einmal abgeändert und in einen unverbindlicheren Prüfungsauftrag
umgewandelt werden soll, umfasst acht Forderungen.
Verweis auf Affären Bellasi und Regli
Sie reichen von einer als dringend erachteten Verbesserung bei
Beschaffung und Analyse von Nachrichten bis hin zu klareren Definitionen
der Kontrolle und der Kooperation mit Partnerdiensten. Das heutige
System sei in der Sackgasse, sagte Kommissionssprecherin Haering.
Andere Fraktionsvertreter verwiesen auf Affären wie jene
um den früheren Geheimdienstbuchhalter Dino Bellasi oder
Ex-Geheimdienstchef Peter Regli. Allein dies zeige, dass es eine
klare politische Führungsverantwortung brauche und die Kompetenz
bei der Kontrolle der Nachrichtendienste dringend erhöht
werden müsse, hiess es praktisch über das ganze politische
Spektrum hinweg.
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